Die schnell fortschreitende Digitalisierung unserer Welt greift viele der bestehenden Geschäftsmodelle an. Gerade hochinnovative und gut finanzierte Startups bedrängen die alteingesessenen Konzerne von allen Seiten. Besonders gut kann man das im Bereich der Tageszeitungen und Printmedien beobachten, deren klassisches Geschäftsmodell durch digitale Angebote mehr und mehr ersetzt wird. Aber auch andere traditionsreiche Branchen wie der Maschinenbau, Automobil- und Elektrounternehmen geraten zunehmend unter Druck. Das Zauberwort zur Lösung aller Probleme lautet Innovation. Doch unsere westliche Welt zeichnet sich durch einen Mangel an Bedürfnissen und nicht durch einen Mangel an Produkten aus. Daher üben sich neuerdings viele Konzerne in Design Thinking Methoden, um auf kreative und manchmal fast religiöse Weise einen bislang noch nicht identifizierten Kundenbedarf zu ermitteln.

Design Thinking betont neben den Kreativaspekten vor allem ein iteratives Vorgehen, das sich bei der Software-Entwicklung bereits im Rahmen von Scrum seit Jahren bewährt hat. Statt auf Hochglanz-Präsentationen setzt man lieber auf konkrete Prototypen, die der Realität und der Kundenkritik ausgesetzt werden. Fehler im Denkansatz oder in der technischen Ausführung der Prototypen werden explizit als Chance im Lernprozess und als zusätzliches Innovationspotenzial begriffen. Statt eine große Expedition zum (Innovations-) Gipfel vorzubereiten, arbeitet man lieber im Alpin-Stil mit kleinen, hochflexiblen Teams.

Allerdings steht diese Denk- und Vorgehensweise häufig im Widerspruch zu den oft starren und prozessorientierten Unternehmensstrukturen. In einer Umgebung, bei dem die Mitarbeiter jahrelang auf die Einhaltung von Prozessen getrimmt wurden (statt diese permanent zu hinterfragen) und sich ihr Gehalt und ihre Graduierung durch das Erreichen der jährlichen Zielvorgaben definiert, ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, solche neuen Denkstrukturen nachhaltig zu implementieren.

Design Thinking erfordert eine komplette Neudefinition der Arbeitskultur, der Prozesse und der gesamten Definition des eigenen Selbst, über das sich Mitarbeiter definieren.

Freude und Spaß am Neuen, Offenheit gegenüber Veränderung, Erziehung zu eigenständigem Denken sind aktiv zu fördern. Damit wird Design Thinking zum Top Management Thema. Und wie beim Sport oder bei der Meditation kann ein zwei- oder dreitätiges Seminar nur der Auftakt zu einer lebenslangen Übungspraxis sein. Erst wenn solche Ansätzen intuitiv und automatisiert im Denken und Handeln des gesamten Unternehmens und der handelnden Personen verankert sind entstehen echte Innovationen und ein langfristiger Erfolg am Markt. Im Grunde geht es immer darum, den Kunden in den Mittelpunkt aller Betrachtungen zu stellen und niemals aus dem Blick zu verlieren. Eigentlich sollte das für jedes Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein.