Agilität ist ebenso wie Design Thinking, Innovation und Entrepreneurship ein Rettungsanker, um festgefahrene Denk- und Entwicklungsprozesse wieder in Gang zu setzen. Dabei werden in der Diskussion oft zwei Ebenen miteinander vermischt.

Einerseits ist Agilität eine Haltung, die Flexibilität, Offenheit für Neues, Fehlerkultur und ein auf Kundenfokus, Empathie und Vertrauen ausgerichtetes Unternehmensleitbild fördert. Dies ist sozusagen eine Voraussetzung um beim Thema „agiles Projektmanagement“ und „agile Prozesse“ überhaupt erfolgreich zu können.

Agile Prozesse als Herausforderung

Andererseits ist das konkrete Einführen und Durchsetzen von wirklich agilen Prozessen selbst in einem Unternehmen mit agiler Führungskultur eine echte Herausforderung. Dies liegt daran, dass gerade komplexe technische Entwicklungen oft von Natur aus nicht sehr agil sein können. Wenn ein Haus gebaut wird, kann man nicht die Mauern hochziehen und iterativ ausprobieren, ob die Konstruktion hält (so hat man im Mittelalter Kirchen gebaut, als man noch keine Berechnungsmethoden für die Statik hatte). Und niemand möchte mit einem Flugzeug fliegen, bei dem der genaue Umfang und die Leistungsfähigkeit der Steuerungs-Software auf Vertrauen und Offenheit für Neues basiert.

Agile Prozesse auch in nicht-agilen Umgebungen

Trotzdem gibt es auch in nicht-agilen Umgebungen viele Möglichkeiten, Prozesse zu beschleunigen und flexibler zu gestalten, auch wenn es dabei eher auf hybrides Projektmanagement statt auf Scrum in Reinform herauslaufen wird. Hierbei kommt die Kunst des „Agile Coaching“ ins Spiel. Der „agile Coach“ entwickelt gemeinsam mit dem Unternehmen die Schnittstelle zwischen den Menschen (Stakeholder), den Anforderungen (Requirements), den Prozessen (Business Analysis), den Werkzeugen (IT-Tools) und der Technik. Damit übernimmt der agile Coach die Vermittler-Rolle zwischen den einzelnen Bereichen und greift motivierend, moderierend oder steuernd in den Aufbau der agilen Landschaft ein. Erwartet werden Detailkenntnisse in den oben genannten Bereichen, Erfahrungen mit Prozess-Design und Werkzeugen wie BPMN, UML, Requirements Engineering, agile Projektmanagement-Werkzeuge wie z.B. Jira sowie eigene Erfahrungen in der (Software-) Entwicklung, beim Stakeholder-Management, als Softskill-Trainer, Moderator, Führungskraft und Business Coach. Der agile Coach muss sowohl den Überblick über das Große-Ganze behalten als auch in der Detailkommunikation mit den Fachexperten überzeugen.

Agile Coaching als zentraler Erfolgsfaktor für Innovation

Damit stellt der „Agile Coach“ einen zentralen Erfolgsfaktor für den Transformationsprozess hin zur agilen Organisation dar. Die Arbeit des agilen Coaches, seine Kunstfertigkeit und sein Einsatz ermöglichen die Auflösung von starren Strukturen hin zu einem dynamischen, anpassungsfähigen System, in dem Innovation überhaupt erst möglich wird.